[OT] Eine neue Runde, ein altes Spiel

Man sagt, es lohnt sich nicht, zu spielen. Sein Geld zu verzocken, seine Zeit und Gesundheit zu vergeuden in der ewigen Hetzjagd nach Geld, Ruhm, Ansehen oder Macht. Man sagt, ein Spieler verliert immer. Egal wie oft, wie lange oder wie intensiv er seiner Leidenschaft fröhnt, im Gegenteil noch; ist man besonders beherzt bei der Sache sollen die Erfolgsaussichten am geringsten sein. Genau dann, wenn man beim zurückblicken weder Anfang noch Man sagt, es lohnt sich nicht, zu spielen. Sein Geld zu verzocken, seine Zeit und Gesundheit zu vergeuden in der ewigen Hetzjagd nach Geld, Ruhm, Ansehen oder Macht. Man sagt, ein Spieler verliert immer. Egal wie oft, wie lange oder wie intensiv er seiner Leidenschaft fröhnt, im Gegenteil noch; ist man besonders beherzt bei der Sache sollen die Erfolgsaussichten am geringsten sein. Genau dann, wenn man beim zurückblicken weder Anfang noch Ende sehen kann, gerade dann, wenn der Sinn des Spiels nur darin besteht, weiterzumachen; Wenn das Spiel an sich zum Sinn wird, und jedes Mittel nur diesem Zweck dient; Genau dann, wenn das Spiel nur wegen des Spielens gespielt wird, ist man verloren. So sagt alle Welt. Nun denn, dann bin ich verloren. Ein weiteres Spiel. Eine weitere Runde. Neue Kämpfe, neue Intrigen. Erneutes Ringen um Macht, Geld oder Einfluss. Was diesesmal eben genehm ist. Tiefschwarze Dunkelheit herrscht zwischen den Säulen. Die Augen versuchen Muster im Schwarz zu erkennen, suchen, finden, nur um enttäuscht niederzusinken. Die Schatten narren uns. Immer wieder. Gaukeln dem Hirn vor, da wären Monster oder Paläste, Brücken in unendlich ferne Dimension, gespickt mit Sternenlicht, Ausgänge aus dieser tristen Welt. Von fern kommt ein Schiff, die Segel aufgebläht, immer größer und stattlicher und... das Bild verblasst. Offenbart sich als aufgewirbelter Staub, der im Kerzenlicht tanzt. Ich hoffe, das ist nur meine Fantasie. Gut möglich, dass die Magie hier unten überdauert hat. Meine Beine schlurfen über zerplatzten Marmor, steigen über tonnenschwere Steine und geborstene Säulen. Wischen den Staub fort, der gnädig die hässlichen Risse kaschiert und stolpern über uralte Relikte. Waffen, aus einer anderen Zeit. Bis zur Mitte der riesigen unterirdischen Halle, die mal die Verstorbenen einer ganzen Ära beherbergte. Auch den einen. Ich stehe in der Totenhalle. Um mich herum nur Schutt, Zerstörung und unendliche Schwärze. Ich lösche die Kerze. Stütze mich schwer auf meinen Stab. Friedhofskürbisholz. Eines der stärksten Materialien, die ich kenne. Und es leitet erstaunlich gut alle Sorten von Energie. Von Blitzen und Faustschlägen bis hin zum urtümlichen Voodoozauber. Und tut weh, wenn man ihn auf den Kopf kriegt, so scheints. Nun gut. Konzentration. Ein kleines Licht erleuchtet die Finsternis. Gelb, mit weiß schimmernden Rändern, dick und lang wie ein Arm wogt es in einem nicht wahrnehmbaren Luftstrom. Tänzelt mehrere Meter über dem Boden, schwankt hierhin und dorthin, als ob es etwas sucht. Erleuchtet matt das Ende eines riesigen Banners, serfetzt hängt es an der Wand; dreht sich, wie enttäuscht herum und schwebt wenige Meter über den steinernen Trümmern eines Sarges. Erhebt sich in die Luft und, seltsamerweise, scheint es, als ob es mich bemerkt hätte. Verharrt regungslos. "Das Rümmelbier leistet euch noch immer gute Dienste, König" krächze ich. Wie als Antwort hüpft das Licht, und verliert kurz darauf rapide an Leuchtkraft. Es scheint, als würde ein Teil der goldenen Flamme fortfließen, sich in Linien spalten, zu kreuzen, rapide Fahrt aufzunehmen, zu schlingern und zu schleudern, steile Rechtskurven und Loopings zu vollführen, bis, leicht glänzend, die Umrisse einer Gestalt zu erkennen sind. Die genüsslich aus der Quelle jenes Lichts schlürft. Die Quelle ist ein hölzerner Krug. Der Mann ist der gefallene König Eibert Rümmel. Samt Krone, Schwert und nutzloser Rüstung. Und... höre ich da Musik? "Auf eine Sache konnte ich immer zählen. Mit einem Krug Bier ist das Leben... beziehungsweise, das Nicht-Leben, besser zu ertragen." Er schaut an sich herunter, mustert abschätzig seine Utensilien. "Und womit hab ich den CloudDrake am Ende getötet? Richtig! Mit Rümmelbier!" Prompt nimmt er einen weiteren Schluck. Die goldenen Linien flimmern leicht. "So. Und jetzt lass uns reinhauen. Gib mir meinen Körper. Ein Königreich braucht einen König, keinen Piraten." Ohne Antwort zu geben schlage ich den schimmernden Krug zu Boden. Sofort herrscht wieder absolute Dunkelheit. Stille macht sich unter der Erde breit. Kleine Lichtfunken nur künden davon, dass dies alles keine Einbildung war. Was man sehr leicht glauben kann. Ein Geist mit Hintergrundmusik, so ein Bockmist. Ich schnaube. Hebe meinen Stock. Lasse die Energie, die früher einmal der König war hindurchfließen, dirigiere sie, schmettere sie an die Wand, an die Säulen, an die Decke. wieder an die Wan, und schließlich in einem großen Bogen auf den Boden, wo sie mit einem Granitfesten erschütternden Krachen aufschlägt. Ein Donnern hallt durch das Gewölbe, Dreck rieselt von der Decke und ich höre mehrere große Gesteinsbrocken aufschlagen. Nach dem zweiten Versuch endlich bringe ich mit dem Feuerzeug eine Flamme zustande. Tiefschwarz liegt der Krater vor mir. Ein gezacktes, unförmiges Loch im früher so schön polierten, roten Meßner Marmor. Ob er damit wohl einverstanden ist? Nagut, egal, eine große Wahl gab es sowieso nicht. Ich werfe meinen Mantel nach hinten und lasse mich auf dem Boden nieder. Einige abschließende Worte gehören sich. Das sind die Spielregeln. Schon seit Urzeiten. Höflichkeit und Anstand sind der Anfang einer jeden guten Beziehung, und diese hier soll doch einzigartig extraordinär werden. Ich grinse. Mit meiner gesunden Hand stelle ich die Kerze zur Seite, und klopfe leicht auf den Boden. Ein Kratzen wie von Mahlsteinen ist die Antwort. Langsam schält sich eine Gestalt in den Dunstkreis der Kerze. Arme, Beine, Kopf... Rumpf... Nase... sieht soweit gut aus. Nur anziehen sollte er sich noch. Geister können sich ihre Kleidung zu einem gewissen Grad selbst aussuchen. Andersrum funktioniert es leider weniger gut. "Hier. Klamotten" Ich schiebe den alten Leinensack über den Boden zu ihm hin. "Ein paar Hinweise noch, zu eurem schicken, neuen Körper... er ist aus Granit. Dem alten Körper haben die Magensäfte des Drachen nicht gerade gut getan. " Lachen. "Schaut gern nach, was sie dort beerdigt haben. Ich glaube, es waren ein paar Hautfetzen, Stücke von der Hose und ein Zehennagel." Der König schlüpft in die Hose. Zieht das Hemd über. Sieht gut aus, wie eh und je. man könnte meinen, es wär kein Tag vergangen, seit er als mittelloser Wirt in die Stadt kam. "Ihr könnt Spaß haben mit Frauen wie ihr wollt... " Der König schüttelt verneinend den Kopf "Es gibt keine Frauen, mehr nur noch eine, die..." "Mir egal. Der Punkt ist: niemand wird merken, dass der Körper aus Stein ist. Außer ihr entfernt euch zu weit von mir. Wenn meine Kraft euch nicht mehr erreicht, zerfällt erst die Haut, dann die Muskeln. Lunge, Leber, Darm folgen, bis ihr nicht mehr als ein Geröllhaufen seid. Dafür dürften eure Kraft und Ausdauer nun recht ordentlich sein. Auf Wiedersehen." Ich lösche die Kerze. "Warte, verdammt. Ich dachte du bringst mich jetzt hier raus." "Ich fürchte nicht, nein. Ich tauche auf und verschwinde. So sind die Spielregeln. Bis demnächst" Die letzten Worte hallen nur noch in Eiberts Kopf. Mit dem leeren Sack in der Hand steht er einsam auf den kalten Steinplatten. Einsam, aber mit einer Aufgabe. Das Königreich zurückzuerobern. //alternative Ending// ... Ich lösche die Kerze. "Warte, verdammt. Ich dachte du bringst mich jetzt hier raus." "Ich fürchte nicht, nein. Ich tauche auf und verschwinde. So sind die Spielregeln. Bis demnächst" Die letzten Worte hallen nur noch in Eiberts leerem Kopf. Mit der Hand am Sack steht er einsam auf den kalten Steinplatten. Einsam, aber mit einer Aufgabe. Sich endlich Mal wieder ein Käsebrot zu machen!
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