Buch XI: Yordle und Monster - Band I

Liebe Beschwörer! Ich möchte euch herzlich einladen, bei unserer heutigen Geschichts – und Märchenstunde anwesend zu sein. Hier möchten wir euch mit auf Reisen in die Welt von Runeterra nehmen. Nun, da die Strahlen des aufblühenden Sommers jede Erinnerung an die finsteren Nebel der Graunacht vertreiben, kommt die Zeit der Lagerfeuer und Geschichten. Gruselig, lustig und warnend dürfen sie sein und ob sie jemals wirklich so geschehen sind, ist das Geheimnis der Erzähler. Diese hier ist es aber ganz bestimmt. Und so lasst mich nun beginnen. Rückt näher an das Feuer und lauscht meiner Geschichte: Nicht alle waren davon begeistert gewesen die Graunacht zu feiern, war sie doch in anderen Städten ein ständiger Quell der Furcht und des Grauens. Allerdings hatte sich das vergnügte Naturell der Yordle durchgesetzt. Diese Graunacht würden sie dem weit entfernten Schrecken der Schatteninseln ihre ausgelassene Fröhlichkeit entgegensetzen. Außerdem hatten sie auch einige Berühmtheiten für dieses Fest gewinnen können. Natürlich als Gäste und nicht als Schutz, denn was sollte schon schiefgehen, wenn man die Herrschaft des schwarzen Nebels mit Feierlichkeiten, und die Düsternis der Toten und Geister mit gewaltigen Lagerfeuern zu verstreuen suchte? Und so fanden sich die Yordle der Liga in Bandle City ein. Der Duft der Lagerfeuer zog durch den Wald. Tagelang hatten die Einwohner von Bandle City ihre Stadt geschmückt, die Buffets vorbereitet und sowohl Kürbisse als auch Feuerholz gesammelt. Und wie sie ihre Stadt geschmückt hatten: In den hohen Ästen der Bäume und den Nischen des Wurzelwerks flackerten Kerzen, auf Vorsprüngen standen ausgehöhlte Kürbisse und überall waren Bilder ihrer Champions zu bestaunen. Es war ein regelrechter Wettbewerb zwischen den Kindern ausgebrochen, Bildnisse ihrer Helden zu erschaffen und so prangten ihre Gesichter auf Blättern und in Kürbissen und ihre Namen auf flatternden Bannern. Lulu stand mit Pix auf einem Baum in der Nähe von Bandle City. “Siehst du”, sagte Pix, “Diese Stadt sieht nicht anders aus, als damals, wo du von hier fortgejagt wurdest! Lass uns gehen, wir hätten gar nicht herkommen sollen.” “Das stimmt doch gar nicht”, erwiderte Lulu. “Schau doch nur da drüben auf den Kürbissen! Das bin ich. Und daneben sind Blumen! Und siehst du nicht die Kinder da hinten? Sie spielen Verstecken und tun so, als wären die Eichhörnchen ihre Freunde. Sie erinnern sich noch daran, wie viel Spaß es gemacht hat. Und die Eltern haben uns eingeladen. Das wird bestimmt lustig. Außerdem haben wir ihm versprochen, dass wir kommen!” Pix war nicht überzeugt. Allerdings hätte er Lulu auch nicht aufhalten können, wenn er es versucht hätte, denn wenn sie es darauf anlegte, war sie so flink, dass selbst er, immerhin ein echter Feengeist, sie nicht fangen konnte. Und so kletterte Lulu von dem Baum herunter in Richtung der Stadt, während Pix miesepetrig und stichelnd hinterherflog. Auf einer kleinen Lichtung, nicht weit entfernt, fand währenddessen ein interessantes Gespräch statt. “Ich gehe jetzt in die Stadt und es gibt nichts, was mich davon abhalten” - “sie in Schutt und Asche zu legen, während ich in dem Blut dieser vertrauensseligen” - “kann, dort meinen Spaß” - “Oh ja, meinen Spaß werde ich haben, mit den zerstörten Hoffnungen dieser kleinen, nervtötenden” - “Ich sagte NICHTS wird mich davon abhalten” - “He He” - “NEIN, gar nichts wird mich davon abhalten heute mal Spaß zu haben!” Während dieses Monologs hüpfte eine Gestalt auf der Lichtung umher und pulverisierte ab und zu einen Felsbrocken, um einem Punkt besonderen Nachdruck zu verleihen. Einem etwaigen Beobachter hätte auffallen können, dass ein Teil der Unterhaltung deutlich hasserfüllt klang, während der andere Teil nur ein wenig bösartig zu sein schien. Er hätte auch bemerken können, dass sich neben der kleinen, exzentrischen Gestalt niemand sonst auf der Lichtung befand. Er hätte allerdings nicht viel Zeit gehabt sich darüber zu wundern, denn er hätte wohl schnell und schmerzhaft erfahren, dass der kleine Meister des Bösen seinen Beinamen nicht zu Unrecht trug. Bis Veigar sich jedoch in Richtung der Stadt in Bewegung setzte, sank die Sonne noch ein gutes Stück hinter die Baumwipfel. Bandle City war erfüllt von feiernden Yordle. Das ist nichts Ungewöhnliches, allerdings war die Stimmung diesmal von feinem, aber angenehmen Grusel bestimmt. Auf den großen Plätzen brannten die Lagerfeuer, mit denen die bösen Geister auf Abstand gehalten werden sollten und in den Fenstern hingen Bilder von Wesen mit großen Zähnen und noch größeren Mäulern. Auf den Straßen tummelten sich edle Ritter, schöne Prinzessinnen und wilde Tiere. Die Yordle feierten mit Begeisterung und das Verkleiden war vielen von ihnen eine Leidenschaft geworden. Als der letzte Sonnenschein vollständig hinter den Wipfeln der Bäume verschwunden war, eröffnete der Bürgermeister die Feier und begrüßte die Ehrengäste. “Meine Lieben Freunde, willkommen in Bandle City! Seit wir von diesen alten Bräuchen erfahren haben, mit welchen vor langer Zeit die Graunacht begangen wurde, haben wir darauf hingearbeitet, sie wieder auferstehen zu lassen. Wie seltsam und verworren sie uns auch schienen, wir haben keine Mühen gescheut. Wir haben Kürbisse!” In der Menge machte ein anerkennendes Raunen die Runde. “Wir haben nicht nur Kürbisse, unsere Kinder haben auch Muster und Gesichter hineingeschnitzt, damit das Licht die bösen Geister vertreibe!” Hier gab es einen begeisterten Applaus. “Wir haben uns verkleidet!” Wieder brandete Applaus auf “Wir haben unsere Helden eingeladen und konnten schlussendlich die Liga überreden ihnen für dieses Fest Urlaub zu geben!” Die Menge brach in frenetischen Jubel aus, vereinzelt durchbrochen von Hochrufen. “Und hier sind sie: begrüßt mit mir Tristana! Poppy! Lulu! Teemo! Heimerdinger! Rumble! Gnar! Corki! Kennen! Amumu!” Jeder der Helden wurde mit begeistertem Applaus begrüßt. “Ziggs! Veigar!” In die Begeisterung mischte sich ein verängstigter Unterton. Niemand hatte vergessen, was passiert war, als Ziggs das letzte Mal eine ihrer Feiern besucht hatte. Und Veigar? Niemand wusste, warum der Meister des Bösen überhaupt gekommen war, geschweige denn, dass jemand sich vorstellen konnte, warum er eingeladen worden war. Man konnte allerdings sehen, dass er sich selbst nicht sicher war, warum er gekommen war. Ziggs bemerkte die Unruhe und trat gelassen nach vorn. “Hey, ihr braucht keine Angst haben! Ich habe keine wirklich gefährlichen Bomben mitgebracht. Heehehehe” Das beruhigte zwar niemanden wirklich, schließlich hatte er bei der letzten Feier das Gleiche behauptet und seither gab es einen Kratersee im Stadtzentrum, andererseits gab er sich ja tatsächlich Mühe, also behielten sie ihre Befürchtungen für sich. “Meine Freunde! Schon oft haben wir gemeinsam gefeiert, doch noch nie haben wir damit die bösen Geister vertrieben. Eine solche Möglichkeit können wir uns nicht entgehen lassen. Daher möchte ich euch anhalten, dieses Fest zu genießen. Schließlich haben wir erst in einem Jahr wieder die Gelegenheit dazu!” Mit diesen Worten beschloss der Bürgermeister seine Rede und das Fest begann. Und was das für ein Fest war. Jeder der schon einmal an einem Yordlefest teilgenommen hat, wird mir zustimmen, dass dies die verrücktesten und ausgelassensten Feste in ganz Runeterra sind. Durch die Straßen zogen kleine Gestalten mit Masken und der Duft der vorbereiteten Speisen und das Gelächter der Feiernden war weithin zu hören. Inmitten dieses ganzen Trubels konnte man immer wieder kleine ruhige Flecken betrachten, welche sich durch die Stadt bewegten. Natürlich bewegten sich diese Flecken nicht von allein. Es waren die Champions, denen Platz gemacht wurde, wo immer sie liefen, ob aus Respekt oder Angst, denn wirklich niemand wollte dem kleinen Meister des Bösen im Weg stehen, wo doch die Schatten unter seiner Kapuze so undurchdringlich waren und man immer wieder ein fieses Kichern hörte oder aus Versehen Ziggs anrempeln, dessen Weg immer wieder von kleineren Explosionen begleitet wurde. Wie versprochen hatte er zwar die Großen zu hause gelassen, aber so ganz konnte er seine Finger nicht von den Bomben lassen, weshalb er sich ein paar Kleinere mitgenommen hatte. Lulu und Pix wurde jedoch aus einem ganz anderen Grund der Weg geräumt. Sie tanzten derart ausgelassen, dass jeder, der sich nicht rechtzeitig in Sicherheit brachte, entweder von der Spitze ihres Hutes von den Füßen gefegt wurde, mit ihrem Stab eins übergebraten bekam oder von einem der lila Zauber, die sie in ihrem Übermut ausstieß in etwas kleines Pelziges verwandelt wurde. Und so verging die Zeit - mit Tanz, Gelächter und Musik. Aber doch, in einer kleinen, dunklen Ecke ihrer Herzen zitterten sie alle. Sie zitterten, erschrocken über ihre Anmassung; dass sie die Schatteninseln herausforderten, dass sie es wagten die unzähligen Schrecken des schwarzen Nebels zu verspotten. Doch da Yordle sich nicht gerade durch ihr ernsthaftes Gemüt auszeichnen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie diese Ängstlichkeit schnell beiseite schoben, sollten sie sich durch einen dummen Zufall ihrer bewusst geworden sein. Doch je dunkler die Nacht wurde, desto öfter wurden diese Zufälle. Und gerade wenn zur vollen Stunde auf dem zentralen Platz die Uhr schlug, schienen die Feiernden wie ein Yordle die Luft anzuhalten. Kaum war aber der letzte Schlag der Stunde verklungen durchlief ein Lachen die Menge und sie feierten wieder. Doch mit jeder verstreichenden Stunde wurde diese Pause länger, bis selbst die Tapferen sich vor Mitternacht zu fürchten begannen. Und so kam es, dass sich die Stimmung der Feiernden wandelte. Zu Beginn des Festes hatte man sie guten Gewissens als ausgelassen und fröhlich beschreiben können. Doch nach und nach klang das Gelächter hysterischer und die anfangs fröhlich Tanzenden, welche die ganze Stadt durchwogten, zogen sich immer mehr aus den wenigen dunklen Ecken zurück. Inmitten dieser seltsamen Stimmung zwischen Verzweiflung und Fröhlichkeit kreuzten sich die Wege von Veigar und Lulu. Plötzlich wurde sich Veigar trotz seines grummelnden, nur durch gelegentliches fieses Kichern unterbrochenes Selbstgesprächs bewusst, dass der Platz um ihn herum viel zu groß war, um nur seinetwegen entstanden zu sein. Dann hörte er ein fröhliches Lachen von zwei sehr unterschiedlichen Stimmen und plötzlich traf ihn etwas vor die Brust und er taumelte in die Menge, nur um sich im nächsten Moment in ein riesiges, rosafarbenes Eichhörnchen verwandelt zu sehen. Damit hatte Lulu nicht gerechnet. Das kollektive, erschrockene Einatmen der Menge war nun doch etwas ungewohnt. “Was denn, was denn?” fragte sie Pix. Dieser antwortete: “Ich denke du hast aus Versehen deinen Wildwuchs in die Menge geschleudert.” Sie hüpfte auf ihren Stab und sah sich um. “Dieses Eichhörnchen ist neu...” sagte sie mehr zu sich selbst. In diesem Moment verwandelte sich das Eichhörnchen zurück in Veigar, der sich inzwischen von seiner Überraschung erholt hatte und nur noch wütend war, dafür aber immer noch riesengroß. “Sie haben mir gesagt, wenn ich käme, ließen sie mich in Ruhe!” Die Menge wich weiter zurück. ”Sie haben gesagt, ich könnte ungestört Kürbisse zerschmettern! Aber ein EICHHÖRNCHEN! Ein ROSA Eichhörnchen!” Nun meinten diejenigen, welche das Pech hatten, nah genug neben ihm zu stehen, in den Schatten unter seiner Kapuze rote Blitze zucken zu sehen. Plötzlich war Veigar wieder normal groß, doch das beruhigte die Menge kaum. “Veigar! Ich habe dich gar nicht erkannt! Du warst so groß und so rosa!” Und schon hatte Lulu ihn mit einer Umarmung angesprungen und zu Boden gerissen. Die ersten Zuschauer begannen den kleinen Platz fluchtartig zu verlassen. Gerade als sich unter den Umstehenden die Meinung zu verfestigen begann, dass man sich von diesem Stadtviertel verabschieden könnte, da Veigars Zorn (und seine magischen Kometen) sich bestimmt nicht nur auf diesen kleinen Platz beschränken würden, erwiderte Veigar überraschend ruhig “Lulu... welch Vergnügen dich und deinen Freund wiederzusehen. Aber an deiner Farbwahl musst du noch arbeiten. ROSA?” und beide brachen in Gelächter aus. “Aber das war doch ein Riesenspaß, oder? Komm, da hinten gibt es heiße Schokolade!” Und mit diesem Satz schnappte sie sich Veigars Ärmel, zog ihn hinter sich her in die Menge und ließ diese verwirrt zurück. “Das ist seltsam... Pix, der Stand war doch hier, oder?” wunderte sich Lulu nach einer Weile. “Doch, er WAR hier. Schau mal dort.” antwortete dieser. Der Punkt, auf den Pix zeigte, war eine düstere Ecke und aus den Schatten schimmerten zwei fahlgrüne Augen. Unter Lagen von dichten Schattenfetzen konnte man jedoch das Gerippe eines Holzstandes ausmachen, wie es sie über die ganze Stadt verteilt gab. Auch fiel dem Trio auf, dass erstaunlicherweise niemand außer ihnen in dieser Gasse war. Niemand außer dem fahlen Augenpaar, welches sie ohne zu blinzeln betrachtete. “Das sieht fast aus wie Nebel ⎻ Schwarzer Nebel” überlegte Veigar. In diesem Moment schlug es Mitternacht. Der Trubel des Festes verstummte und der Klang der Glockenschläge legte sich wie eine Decke über die Stadt. All die zitternde Furcht in den kleinen Yordleherzen kam zum Vorschein, während die Uhr langsam und bedächtig der Mitte der Nacht den Weg bereitete. Und all die dunklen Ecken, aus denen nach und nach die Feiernden gewichen waren, schienen noch dunkler zu werden. Die Schatten wirkten größer und gefährlicher und die Laternen verloren mit jedem Schlag der Uhr mehr von ihrem Licht. Die lustigen Fratzen, welche Kürbisse und Masken zierten, verzerrten sich in dem flackernden, erlöschenden Licht und schienen zu zucken und lebendig zu werden. Und schließlich erhoben sich die Schatten, formten Gestalten mit langen Fingern und Klauen, welche nach den verängstigten Festbesuchern griffen, nicht länger nur Schatten, sondern etwas Anderes, etwas Echteres. Die Glocke schlug ein letztes Mal und wie zur Antwort erhob sich ein Seufzen und Wimmern aus den Schatten. Die Schwarzen Nebel hatten Bandle City erreicht und waren bereit mitzufeiern. Haben euch die Schatten schon erwischt, oder warum seid ihr so still? War die Geschichte so gruselig, dass ihr euch nicht mehr traut zu atmen? Beruhigt euch. Die Yordle sind mutig und beherzt. Auch wenn es noch so düster scheint, viele sind mit dem Leben davon gekommen um heute davon zu berichten. Trinkt noch einen Schluck heißen Tee und lasst mich das Feuer schüren. Ich erzähle gleich weiter… Und damit sind wir auch bereits am Ende dieser Märchenstunde angelangt. Die Geschichte ist hier allerdings noch lange nicht zu Ende erzählt. Ich hoffe sie gefällt euch und ihr kommt wieder, sobald die Funken stieben, das Holz knistert und ich euch mehr davon berichte, was in Bandle City zur Graunacht geschah. Bis dahin wünsche ich euch noch einen schönen Tag und bis zum nächsten Mal, Eure Geschichtenerzählerin matamora!
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