Buch IV: Poros in Not - Band IV

Ho -ho-ho Beschwörer! Ich möchte euch herzlich einladen, bei unserer heutigen Geschichts – und Märchenstunde anwesend zu sein. Hier möchten wir euch mit auf Reisen in die Welt von Runeterra nehmen. Es ist Weihnachten und diese Geschichte ist mein Geschenk an drei ganz besondere Emissaries. Begleitet meine Freunde und ihre Champions auf ihrer spannenden Reise durch Runeterra. Kennt ihr Dasher und Dancer und Prancer und Vixen? Kennt ihr Comet und Cupid und Donner und Blitzen? Heute geht es weiter mit der Geschichte über unsere drei Helden Niklas, Dustin und Mark. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und Entspannen. __________________________________________________________________________ Niklas lag ruhig und mit geschlossenen Augen auf der gepolsterten Rückbank des Schlittens und genoss den Flug mit der aufgehenden Morgensonne im Rücken. Trotz des kalten Winterwetters war es im Schlitten angenehm warm. Während er sich ausruhte, dachte er darüber nach, mit welcher Art Magie man wohl eine solche Wärmehülle erzeugte und auch dauerhaft aufrechterhielt. Darius hatte ihm zwar geraten etwas zu schlafen, denn sie hatten nur noch 24 Stunden Zeit, um dem Weihnachtsmann seine Poros zurückzubringen, aber die ganze Angelegenheit war einfach zu aufregend, als dass er auch nur ein Auge hätte schließen können. Der alte Krieger selbst saß vorn und behielt die Umgebung im Blick. Mit dem Schlitten war man schnell und leise unterwegs, aber umso angreifbarer, denn er enthielt natürlich keinerlei Waffen zur Verteidigung. Durch einen warmen Sonnenstrahl, der ihn in der Nase kitzelte, entschloss sich Niklas schließlich die Augen wieder zu öffnen. Sie flogen gerade oberhalb der Wolkendecke, die durch den Sonnenaufgang wie ein Flammenmeer in Rot- und Orangetönen erstrahlte. Niklas setzte sich langsam auf und rieb sich die verschlafenen Augen. Für einen Moment war er überwältigt von dem Anblick, der sich ihm bot. Diese Farben und dieser weite Blick über die Wolken waren einfach unbegreiflich schön. Ein Gefühl von noch nie gefühlter Freiheit durchströmte seinen Körper und für einen Augenblick wünschte er sich, für immer hier über den Wolken bleiben zu können. “Ah, du bist wach.”, riss ihn Darius aus seinen Gedanken. Niklas blickte zu ihm hinüber. Er sah ebenfalls erschöpft aus. Niklas nickte ihm zu und erwiderte dann: “Vielleicht solltest du dich auch ein wenig ausruhen.” Darius murmelte etwas Unverständliches, sagte dann aber deutlicher: “Du hast vermutlich recht. Ich werd’ auch nicht jünger.” Er seufzte, kletterte über die Lehne, die den kleinen Vorderteil vom geräumigen Hinterteil des Schlittens trennte, und ließ sich auf der Bank gegenüber von Niklas nieder. “Mark hat vorhin gesagt, die Scheune würde an der noxisch-demacianischen Grenze liegen. Ich wusste gar nicht, dass die beiden Städte überhaupt aneinandergrenzen. Liegt Demacia nicht im Westen und Noxus im Osten?” Darius streckte sich auf der Bank aus und erzählte dann: “Ja, die Städte liegen weit voneinander entfernt, aber noch während des Krieges hat sich die Bevölkerung, die zwischen den beiden Städten lebte, in zwei Lager gespalten. Für Noxus und für Demacia. Man legte eine Grenze fest und teilte somit auch das Land zwischen den Städten auf. Deshalb gibt es jetzt eine Art Grenze inmitten dieses Gebietes.” Niklas nickte verständnisvoll. “Aber bekämpfen sich Demacia und Noxus nicht immer noch?”, fragte er dann noch einmal nach. Darius schwieg für einen Moment. “Glaubst du wirklich, es wird jemals Frieden zwischen Demacia und Noxus geben? Wir sind zu unterschiedlich in unseren Lebensweisen. Das kann niemals funktionieren. Also kämpfen wir, bis irgendwann eine der beiden Städte untergeht.” Niklas schwieg in Anbetracht dieser ernüchternden Ansprache. Nach einer Weile kam ihm allerdings ein Gedanke. “Aber bei uns teilt man dich und Garen sogar in die gleiche Kategorie von Champions ein. So verschieden könnt ihr also gar nicht sein.” Darius knurrte verärgert: “Dieser Möchtegern-Krieger und ich haben nichts gemeinsam.” “Außer die Loyalität zu eurem Land, eure Titel als Kriegshelden bzw. -verbrecher je nach Betrachtungsweise, und nicht zuletzt den Beschützerinstinkt für eure jüngeren Geschwister.”, entgegnete Niklas kühl. “Da könntest du auch argumentieren, dass wir beide jeweils zwei Arme und zwei Beine hätten.”, murmelte Darius genervt und schloss die Augen. Niklas beschloss, dass es wohl klüger wäre, Darius nicht aufs äußerste Maß zu reizen. Also schwieg er und sah zu, wie die Wolken unter ihnen dahinglitten. Wo wohl die unsichtbare Grenze des wärmenden Schilds lag? Zögernd streckte Niklas eine Hand aus dem Schlitten, doch noch immer fühlte seine Haut nichts als angenehme Wärme. Ermutigt stand er auf und streckte die Finger, so weit er konnte, aus. Gerade als er glaubte, dass sich der Schild vielleicht mit seinen Insassen erweiterte, spürte er ein eisiges Brennen an den Fingerspitzen. Erschrocken zog er die Hand zurück und betrachtete fasziniert die dünne Eisschicht auf seinen Fingerkuppen. Diese Welt unterschied sich so stark von allem, was er kannte und doch erschien ihm vieles so vertraut. Es dauerte nicht lange, da leitete das Wildschwein den Sinkflug ein. Niklas beschloss, dass er Darius wecken sollte, bevor er durch eine holprige Landung unsanft aus dem Schlaf gerissen wurde. Aber wie weckte man einen schlafenden Krieger? Ihn anzutippen erschien Niklas dann doch etwas zu riskant. Er entschied sich schließlich für ein lautes Räuspern und zu seiner Erleichterung klappte es. Darius schlug prompt die Augen auf. “Ich glaube, wir sind gleich da.”, erklärte Niklas rasch. Darius streckte sich und strich sich die Haare aus dem Gesicht. “Ich hatte gehofft, dass es noch nicht ganz so hell sein würde, wenn wir eintreffen.”, sagte er, während er die Morgensonne verdrießlich betrachtete, als würde er sie persönlich für diesen Fehler verantwortlich machen wollen. “Glaubst du wirklich, dass diese Leute so gefährlich sind? Wieso sollten sie einen Söldner anheuern um ein paar Poros zu stehlen, wenn sie selbst Gangster sind?”, fragte Niklas nachdenklich. Darius zuckte die Schultern. “Vielleicht wollten sie keine Spuren hinterlassen.” Niklas schüttelte entschieden den Kopf. “Nein, dass glaube ich nicht. Überleg’ doch mal. Graves bekam den Auftrag möglichst alle Poros zu fangen, erwischt nur drei und erlaubt es sich dann auch noch eins davon unter der Hand zu verkaufen. Seine Klienten haben sich offenbar mit zwei Poros zufriedengegeben und ihn bezahlt. Ich glaube nicht, dass richtige Kriminelle ihm das hätten durchgehen lassen.” Darius’ Blick wurde nachdenklich. “Du bist ziemlich clever, Kleiner. Ein knallharter Auftragsgeber hätte Graves wahrscheinlich die Poros abgenommen und ihn ohne Bezahlung davongejagt, weil er den Job nicht richtig erledigt hatte oder vielleicht hätten sie ihn auch umgebracht. Also was für eine Art von Menschen muss jemanden anheuern, für einen eigentlich einfachen Auftrag und dann sich auch noch mit unvollständiger Ware zufrieden geben?” “Offenbar jemand, der sich selbst schlecht verteidigen kann. Jemand, der weder nach Freljord gelangen konnte und noch den nötigen Einfluss besitzt, um Graves die Stirn zu bieten, als er nur einen Bruchteil der Poros ablieferte. Allerdings immerhin so viel Geld hat, dass er Graves problemlos bezahlen kann.” Niklas kratzte sich am Hinterkopf. “Graves Honorar ist bestimmt entsprechend hoch. Also wer könnte uns hier erwarten?” “Wahrscheinlich irgendein halbes Hemd.”, sagte Darius amüsiert. “Irgendein Niemand mit reichen Eltern. Vielleicht ist es doch nicht schlimm, dass es schon hell ist. Wer auch immer uns gleich begegnet, ist mir nicht gewachsen.” Niklas hob zweifelnd eine Augenbraue. “Nimm’ es lieber nicht zu leicht.”, sagte er, als der Schlitten sanfter als erwartet auf einer gefrorenen Lichtung in einem Waldstück nahe der Lichtschildmündung landete. Als Niklas ausstieg, schlug ihm eine Welle eisiger Kälte entgegen. Augenblicklich begann er in seinem dünnen Pullover und seiner Jeans zu zittern. Darius, der seine gewohnte Rüstung trug, zeigte hingegen keine erkennbaren Anzeichen diesbezüglich. “Wieso ist es hier so kalt? In Bilgewasser war das doch auch nicht so.” Darius betrachtete seinen frierenden Begleiter abschätzend, bevor er antwortete: “Auf den Blauflammeninseln gibt es keine richtigen Jahreszeiten. Durch den Chilleusstrom, der daran vorbeifließt, herrscht dort immer das gleiche milde Klima.” “Der Chilleusstrom? Der ist gar nicht auf unseren Karten von Runeterra eingezeichnet.”, sagte Niklas verwundert, während er neben Darius her durch den Wald lief und sie sich dem Grenzfluss näherten. Darius zuckte gleichgültig die Schultern. “Heißt auch noch nicht lange so. So ein kleiner wichtigtuerischer Professor aus Piltover und sein unterwürfiger Diener sind vor ein paar Jahren darauf gestoßen, als sie die Ruinen der alten Festung von einem Piratenkönig einer längst vergangenen Ära untersuchten. Allerdings kennen die Seefahrer von Bilgewasser die Strömung schon sehr viel länger und nutzen sie, um ihre Ziele schneller zu erreichen.” Niklas sah ihn beeindruckt an. “Woher weißt du so viel darüber?” Er hatte Darius immer für einen Vollzeitkrieger gehalten, einen großartigen Krieger gewiss, aber für keinen mit besonders großer Allgemeinbildung. “Ich lese hin und wieder.”, erklärte Darius verärgert, da ihm der überraschte Unterton nicht gegangen war. Niklas hob abwehrend die Hände. “Ich wollte nicht… äh. Ich hätte nur nicht gedacht, dass du dich für so etwas interessierst.” “Schon gut. Kaum jemand weiß davon, dass unser Anwesen in Noxus auch eine der größten Bibliotheken unserer Stadt enthält.” “Du besitzt ein Anwesen?” Niklas fand es unheimlich interessant, was Darius so tat, wenn er nicht gerade Menschen umbrachte. “Ja, Draven und ich leben dort, seitdem die Regierung es uns für unsere Dienste überließ.” Niklas wollte gerade nachfragen, wie sich das Zusammenleben mit Draven so gestaltete, als der Wald ein abruptes Ende fand und sie vor einen großen Strom standen, der langsam und ruhig vor sich hinfloss. “Das ist der Grenzfluss.”, sagte Darius leiser als zuvor. “Und dort vorn”, er deutete flussaufwärts, “fließt ein weiterer Fluss hinzu. Das ist die Lichtschildmündung.” Niklas sah in Richtung ihres Ziels. Die schwache Morgensonne schien durch den vom Boden aufsteigenden Nebel und vermittelte ein geisterhaftes Bild. “Laut Graves gibt es gleich dort vorn eine Scheune.”, flüsterte Niklas und ging dicht am Waldrand auf den Seitenfluss zu. Darius folgte ihm schweigend, doch seine schwere Rüstung war offensichtlich nicht zum Schleichen geeignet. Bei jedem Schritt klapperte sie etwas lauter in Niklas’ Ohren. Nach einigen hundert Metern machte der Fluss eine Biegung und man konnte nun am Waldrand einen alten Vierseitenhof erkennen. Seinem Zustand nach zu urteilen, schien er schon seit mehreren Jahren verlassen zu sein. “Ich glaube nicht, dass wir noch schleichen müssen.”, sagte Niklas schließlich, da seiner Meinung nach eh jeder die klappernde Rüstung hören würde. Auch Darius schien dieser Gedanke gekommen zu sein, denn er widersprach nicht und folgte Niklas zu dem verlassenen Hof. “Das scheint mir nur ein Übergabeort gewesen zu sein.”, stellte Darius fest, als sie näherkamen. “Hier lebt doch niemand.” “Kommt mir auch so vor. Die Poroentführer wollten vielleicht ihre Spuren verwischen.”, stimmte Niklas ihm zu. Gewissenhaft umrundeten sie den alten Hof und traten schließlich durch einen Seiteneingang in den Hof ein. Nach dem sie sich umgesehen hatten, deutete Darius mit einem Kopfnicken auf das Gebäude zu ihrer Linken. “Das muss die Scheune sein.” Niklas musterte das Bauwerk eingehend. Es gab mehrere Tore im Dach und eine große Tür auf Bodenhöhe. Schnell sah er sich die anderen drei Teile des Hofes noch einmal an. Darius hatte recht. Dieses Haus musste die einstige Scheune gewesen sein. “Dann los. Vielleicht finden wir Hinweise auf den Verbleib der Poros.” Gemeinsam betraten sie den modrigen Raum im unteren Teil der Scheune. Innen führten Leitern nach oben auf die ehemaligen Heuböden. Niklas wollte gerade weiter hineingehen, als Darius ihn an der Schulter zurückhielt und seine Axt vom Rücken nahm. “Hier stimmt was nicht.”, sagte er leise und zeigte dabei auf dem Boden. “Was meinst du?”, fragte Niklas irritiert. Darius sah sich misstrauisch um. “Der Boden ist voller Dreck, aber wäre er über die Jahre hier hereingekommen, würde er sich nahezu gleichmäßig verteilen.” Niklas erkannte nun, worauf Darius hinauswollte. In vereinzelten Abständen und vor allem um die Leitern herum waren kleine Klumpen von Erde zu erkennen. Darius ging mit schnellen Schritten durch den Raum und warf die Leitern eine nach der anderen um. “Was machst du denn da?”, fragte Niklas, der eigentlich davon ausgegangen war, dass sie sich leise verhalten sollten. Vor der letzten Leiter blieb Darius stehen. “Zeigt euch oder ich werfe diese hier auch noch um.” Stille folgte auf diese Drohung hin. Mit einem kräftigen Tritt fiel auch die letzte Leiter mit einem dumpfen Geräusch zu Boden. Darius beobachtete aufmerksam den Heuboden. “Gehen wir, Nick.”, sagte er dann lauter als nötig gewesen wäre. Niklas sah ihn verwirrt an, ließ dann aber zu, dass der Krieger ihn zur Tür schob. “Warte.”, rief eine helle Stimme von oben. Ein Lächeln breitete sich auf Darius’ Gesicht aus. “Wusste ich‘s doch.”, murmelte er selbstzufrieden. Sie wandten sie nun wieder den Heuböden zu und zu Niklas’ Verwunderung sah er ein kleines Mädchen mit schmutzigen Kleidern und ungepflegten Haaren oben an einer der Luken, zu denen zuvor die Leitern geführt hatten. “Du bist ja ein Kind.”, sagte er überrascht. Sie nickte. “Bitte sperrt uns nicht hier oben ein.” “Uns?”, knurrte Darius. “Wie viele sind da oben?” Das Mädchen erbleichte. “Ich... ” “Antworte, Mädchen.”, forderte Darius energisch. Niklas warf ihm einen missbilligenden Blick zu. Das Mädchen war höchstens 10 Jahre alt. Sie stellte keinerlei Bedrohung dar. “Wie ist dein Name?”, fragte er freundlich, in der Hoffnung das Mädchen würde ihm verraten, wer die Poros in Empfang genommen hatte. “Ich bin Lozia.”, antwortete die Kleine. “Also Lozia, wir wollen euch nichts tun. Wir sind nur auf der Suche nach Braums Poros. Habt ihr sie vielleicht gesehen?” Getuschel war nun von den oberen Rängen zu hören. “Sie suchen die Poros...” “Also sind sie die Helden...” “Nein, wisst ihr nicht, wer der Große ist...” Niklas sah zu Lozia hinauf. “Ich bin noch nicht lange hier.”, versuchte er es erneut, “Meine Freunde Mark und Dustin sind heute Nacht nach Runeterra gekommen um das Weihnachtsfest zu retten. Wir müssen unbedingt die Poros finden.” “Also bist du einer der Helden, die kommen sollten?”, quietschte das Mädchen aufgeregt. Nun erschienen die Gesichter mehrerer Kinder in der Dachbodenluke. Doch aus den hoffnungsvollen Minen wurden schnell entsetzte Gesichter, als ihnen klar wurde, dass Niklas’ Begleiter tatsächlich Darius war. “Du bist kein guter Mensch.”, schrie ein kleiner Junge und deutete dabei auf Darius. Dieser schnaubte nur verächtlich: “Elendes Demacianerbalg.” “Wir sind keine Demacianer.”, rief nun ein anderer Junge und sah den Krieger wütend an. “Nicht?”, fragte Darius scheinbar ein wenig irritiert. “Was seid ihr dann?” “Wir sind Kinder, Idiot.”, sagte der erste Junge darauf. Darius hob die Axt drohend, doch Niklas legte ihm eine Hand auf den Oberarm. “Das sind Kinder. Löst du mit dieser Axt wirklich alle Probleme?” Darius ließ die Waffe sinken. “Hast ja recht, Kleiner.” Niklas wandte sich daraufhin wieder an die Kinder. “Also, wisst ihr vielleicht, wo die Poros hingebracht wurden?” Die Kinder sahen sich unschlüssig an. Schließlich sprach Lozia wieder: “Du bist einer der drei Helden, die die Poros retten sollen, richtig?” Niklas nickte langsam. Das Mädchen holte tief Luft. “Wir haben die Poros.” Dabei holte sie ein kleines, weißes Pelzknäuel hinter ihrem Rücken hervor. Das Poro quietschte vergnügt und ließ sich von dem Mädchen streicheln. Niklas sah sie entsetzt an. “Ihr habt die Poros entführen lassen und Graves bezahlt?” Lozia nickte schuldbewusst. “Aber warum? Was habt ihr mit ihnen vor? Und woher habt ihr überhaupt so viel Geld?” Niklas wusste nicht, welche Frage er zuerst stellen sollte. Er hatte mit so vielem gerechnet. Mit Gangstern, Händler und Zauberern, ja sogar mit einer kleinen Gruppe von Köchen, die Poros kochen wollten, aber Kinder. Nein, das ergab keinen Sinn. “Wir wollen nichts von den Poros.”, erklärte Lozia und sah verlegen zu Boden. “Wir wollten, dass die Helden aus der Legende kommen, damit sie uns helfen.” Niklas und Darius sahen sie erstaunt an. Damit hatte wohl keiner von ihnen gerechnet. “Aber warum wolltet ihr, dass meine Freunde und ich herkommen?” Das Mädchen sah ihn traurig an. “Seit drei Jahren herrscht Waffenstillstand zwischen den beiden großen Städten im Osten und im Westen, aber die Kriegsgefangenen sind noch immer nicht zurückgekehrt. Wir wollten, dass ihr kommt, damit ihr unsere Eltern und älteren Geschwister aus den Gefängnissen befreit.” Einen Moment lang starrte Niklas nur zu den Kindern hinauf, unfähig zu begreifen, was das Mädchen gerade gesagt hatte. Dann schüttelte er unentschlossen den Kopf um seine Gedanken zu ordnen. Der zweite Junge sagte nun: “Wir haben hier mit unseren Familien gelebt, aber als der Krieg begann, nahmen die beiden Städte Menschen gefangen, von denen sie glaubten, dass sie mit dem Gegner sympathisieren würden. Hier an der Grenze waren irgendwann alle Erwachsenen verschwunden und seitdem sind wir hier allein.” Niklas wandte sich an Darius: “Trotz der Waffenruhe haltet ihr noch Zivilisten gefangen?” Darius zuckte die Schultern. “Das ist Krieg. So läuft das nun mal.” Niklas sah ihn ungläubig an. “Aber wann werdet ihr sie gehen lassen?” “Ich schätze, wenn Demacia ihre gehen lässt oder auch nicht. Gefangene sind nicht mein Fachgebiet.”, sagte Darius kühl. “Lass’ uns die Poros holen und verschwinden. Schließlich haben sie nur zwei und wir müssen noch 6 weitere finden.” “Du willst diesen Kindern gar nicht helfen? Ihre Eltern sind vielleicht für deine Ziele gestorben.”, entgegnete Niklas verärgert. “Und wenn schon. Ich kann nicht einfach die Freilassung von Gefangenen fordern. Vielleicht sind sie auch schon tot.” Darius’ Stimme war kalt und abweisend. Niklas sah zu den Kindern hinauf. Einige von ihnen funkelten Darius böse an, andere weinten lautlos. “Nein. Wir werden ihnen helfen. Siehst du nicht, dass wir ihre letzte Chance sind. Es ist ein Wunder, dass sie überhaupt so lange überlebt haben. Ohne ihre Eltern haben sie keine Zukunft.”, sagte er energisch zu Darius. Dann sprach er zu dem Poro in Lozias Schoß. “Hey kleiner Freund, könnt’ ihr euch noch eine Weile um die Kinder kümmern?” Das Poro gurrte laut und ließ ein wenig Porostaub auf Niklas herabrieseln. Er zuckte zusammen, als der Staub auf seine Haut traf und ihn in einen kuscheligen blauen Anorak hüllte. Darauf folgte eine schwarze Mütze mit dunkelblauer Bommel und ein paar schwarze Handschuhe. Niklas war zunächst verwirrt, bedankte sich dann aber. “Wenn wir euch eure Familien zurückbringen, gebt ihr uns dann die Poros?”, fragte er dann die Kinder. Diese nickten begeistert. Niklas ging auf die Leiter zu und mit einiger Mühe schaffte er es, sie wieder aufzustellen. Dabei fragte er: “Aber woher kam das Geld?” Lozia sah beschämt drein. “Wir haben vor über zwei Jahren angefangen es zu ...”, sie stockte, “sammeln.” Niklas war sofort klar, was sie damit sagen wollte, aber wie konnte er es ihnen verübeln. Sie waren ganz allein und wollten doch nur ihre Eltern wiedersehen? Allerdings fand er es ziemlich riskant so hart erkämpftes Geld in einen Auftrag zu investieren, der Helden aus einer anderen Welt herbeirufen würde. Aber Kinder aus Runeterra dachten wohl anders - sie wuchsen schließlich auch in einer Welt voller Magie auf. Nachdem die Leiter wieder aufgerichtet war, schob Niklas Darius aus der Scheune. Dieser war äußerst verärgert. “Wie stellst du dir das vor? Noxus wird die Gefangenen niemals freilassen.” “Oh doch. Das werden sie. Denn was sind ein paar Gefangene schon im Vergleich zu ihrem größten Kriegshelden.”, sagte Niklas langsam und lächelte verheißungsvoll. “Du willst mich gegen diese Bälger eintauschen. Sie werden nicht darauf eingehen. In Noxus ist nur der Starke etwas wert.” “Wie gesagt, wenn ich drohe, dich an Demacia zu verkaufen, werden sie es tun, weil sie in diesem Fall nicht nur dich, sondern auch Draven verlieren würden.” Darius verdrehte genervt die Augen. “Sagen wir dein Plan funktioniert, dann müsstest du mich in Noxus lassen, wenn du gehst.” Sie gingen nun zurück zum Schlitten auf der Lichtung im Wald. Niklas sah ihn amüsiert an. “Klingt ja fast so, als wolltest du auch weiterhin an der Porojagd teilnehmen.” Darius hob würdevoll das Kinn. “Wie solltest du dich denn ohne mich zurechtfinden.” Niklas lachte. “Aber natürlich. Ich bin auf dich angewiesen.” Am Schlitten angekommen stiegen sie ein und Niklas sagte, als sie abhoben: “Ich werde mir etwas überlegen, wenn du wieder mitkommen willst. Und jetzt auf nach Noxus.” __________________________________________________________________________ Und so geht ein weiteres Kapitel zu Ende. Ich würde mich über ein paar Rückmeldungen freuen, wie diese Geschichte allgemein bei euch ankommt. Eure Märchenfee Wolverine
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