Buch VII: Lieder und ihre Geschichten - Band I

Liebe Beschwörer! Ich möchte euch herzlich einladen, bei unserer heutigen Geschichts – und Märchenstunde anwesend zu sein. Hier möchten wir euch mit auf Reisen in die Welt von Runeterra nehmen. Dies ist der erste Band eines etwas anderen Buches. Ich werde euch heute eine Geschichte zu einem Lied erzählen - und zwar dem Lied “Ich will” von Rammstein. Außerdem möchte ich sie Soul92fly und Zaddok widmen. Ich hoffe euch gefällt diese speziellere Form einer Erzählung. Ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen. _______________________________________________________________________ **_Draven will!_** _Ich will Ich will dass ihr mir vertraut _ Draven trat auf den Balkon der Arena heraus. Von hier oben bot sich ihm eine atemberaubender Blick über die Stadt und dieser ließ keinen Zweifel an der Macht, über die Noxus verfügte. Doch Dravens Blick galt der jolenden Menge, die sich angesichts dieses großen Tages in der Arena versammelt hatte. “Seid ihr bereit für noch mehr Draven?”, rief er ihnen zu und die Menge antwortete ihm mit Beifall und beeindruckten Rufen. Dieser Jubel war Musik in seinen Ohren. Das Publikum liebte ihn. Wie sollte es auch anders sein? Diese unbedeutenden Narren wurden niemals seine Perfektion erreichen. Sie vertrauten ihm blind. Wenn er ihnen sagen würde, dass sie von einer Klippe springen sollten, würde sie es zweifelsfrei tun. _Ich will Ich will dass ihr mir glaubt_ “Heute ist der große Tag gekommen. Ich werde heute für euch in dieser Arena die Kriegsgefangenen verhören und richten.” Die Menge unter ihm brach abermals in Beifall aus. Draven betrachtete sie abschätzig. Einmal im Monat hielt er nun immer wieder diese kleine Ansprache und auch, wenn wohl niemand das einfache Volk so gut begeistern konnte wie er, langweilte es ihn mittlerweile. Doch Darius bestand darauf. “Wenn du schon sonst nicht tust, was man dir sagt, halte wenigstens die Menschen bei Laune.”, hallte immer noch die Stimme seines Bruders in seinem Kopf nach. _Ich will Ich will eure Blicke spüren_ Trotz dass all das Darius’ Idee gewesen war, konnte Draven nicht umhin sich einzugestehen, dass er es liebte, wie das Volk ihm zujubelte. Natürlich wussten sie im Grunde nicht, wie großartig er eigentlich war, aber zumindest schienen sie es zu erahnen. Und auch wenn sie ihm selbst etwas eintönig vorkamen, waren seine Shows die Brillantesten, die ganz Noxus - ach was - ganz Runeterra je gesehen hatte. Also wieso sollte er die Menge nicht an seinem atemberaubenden Talent teilhaben lassen? Je mehr Blicke auf ihn gerichtet waren, desto besser. Ein schneller Blick Richtung Loge verriet ihm, dass sein Bruder ihn beobachtete, mit dem gleichen kühlen, ausdruckslosen Blick wie sonst auch immer. Draven versuchte sich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. “Also lasst uns beginnen.”, rief er den Zuschauern zu und stieg die Treppenstufen in die Arena hinab. _Ich will jeden Herzschlag kontrollieren_ Unten angekommen ging er zielstrebig auf eines der Tore unter den Publikumsrängen zu bedeutete einem Wärter mit einer Handbewegung sie zu öffnen. Dieser gehorchte auf der Stelle und Draven schritt erhobenen Hauptes in die kleine Zelle hinein. Der dort seit vielen Tagen gefangengehaltene Mann kniff angesichts des Tageslichts die Augen zusammen und wehrte sich auch nicht, als Draven ihn grob an der Schulter packte und in die Arena schleppte. “Heute beginnen wir mit einem Hochverräter. Er ist der Vater einer Tochter.” Die Menge verstummte augenblicklich. Jeder fragte sich in diesem Moment, was der Mann wohl getan haben konnte. Draven genoss es, wie sie seinetwegen den Atem anhielten oder gar bei manchen das Herz einen Schlag aussetzte. Er spürte die Macht, die er über seine Zuschauer mit jedem Wort gewann. _Ich will Ich will eure Stimmen hören_ “Seine Tochter beging ebenfalls Hochverrat. Sie arbeitete für unsere geliebte Regierung als Strategin. Vor mehreren Monden entschied sie sich jedoch unsere Stadt zu verraten und zu verlassen, weil sie einem dieser feigen Demacianer verfallen war. Unsere Spione erfuhren rechtzeitig von ihrem Verrat und wollten sie aufhalten, um sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen.” Die Menge begann den Gefangenen zu beschimpfen. Draven lächelte zufrieden. Es waren doch immer wieder dieselben naiven Gemüter, die auf den Rängen der Arena saßen. Leicht zu beeinflussen und schnell mit ihrem Urteil. Nach einer kurzen Kunstpause sprach er weiter: “Als dieser Mann erfuhr, was seine Tochter getan hatte, verhalf er ihr zu Flucht über die Grenze. Und nun sagt mir, was ist die angemessene Strafe für so einen Wurm?” Die Menge begann zu rufen: “Schlitz’ ihn auf. Lass’ ihn leiden. Verräter, Verräter.” _Ich will Ich will die Ruhe stören_ “So ist es gut. Lass’ sie sich nur noch etwas mehr hineinsteigern.”, dachte Draven, bevor er das Gegröle unterbrach. “Beruhigt euch.”, rief er laut und beobachtete zufrieden wie sich die Menge auf sein Kommando nach und nach zügelte. Als es schließlich wieder vollkommen ruhig war, begann er leise weiter zu sprechen: “Ich denke, ich weiß wie ich ihm und euch gleichermaßen gerecht werden kann. Ich biete einen Zweikampf an.” Augenblicklich brach die Menge wieder in Jubel aus, aber Draven sah den ausgehungerten Mann vor sich an. In dessen Augen spiegelten sich Angst und Akzeptanz wider. Draven kannte diesen Ausdruck bereits. Viele Gefangene hatten sich schon vor dem Kampf mit dem Tod abgefunden und doch fürchteten sie das Sterben. _Ich will Ich will dass ihr mich gut seht_ “Wählt eure Waffe.”, sagte er zu dem Gefangenen und deutete dabei in Richtung eines Bündels, das gerade von einer Wache herbeigebracht und ausgebreitete wurde. Der Alte humpelte hinüber und entschied sich nach einigem Zögern für einen Schild und ein leichtes Schwert. Dann kam er zu Draven zurück. Für die aufgeregte Menge nicht hörbar, sagte er zu ihm mit zitternder Stimme: “Ich habe euch immer bewundert. Ihr repräsentiert alles, wofür Noxus je gestanden hat. Ich verlasse mich darauf, dass ihr euer Handwerk versteht und es schnell geht.” Draven lächelte. Selbst wenn er sie umbrachte, glaubten die Menschen noch an ihn. Er war ihr Idol, ihr großes Vorbild. Langsam nickte er und der Gefangene nahm seine Kampfhaltung ein. Draven ging mit langen Schritten durch die Arena und suchte nach dem Ort, an dem ihm das Licht am meisten schmeichelte und die Leute ihn am Allerbesten sehen konnten. _Ich will Ich will dass ihr mich versteht_ Als er diesen gefunden hatte, blickte er mit hoch erhobenem Kinn in die Runde. “Bevor wir beginnen, lasst mich euch noch etwas erklären.”, setzte er an und die Menge verstummte erneut, da sie kein Wort ihres Helden verpassen wollte. Mit einem Lächeln auf den Lippen fuhr er fort: “In Noxus gibt es keinen Platz für Schwäche. Ich möchte, dass ihr versteht, warum ich dies hier tue. Sollte jemals ein Mann hier angeklagt werden, der mich im Zweikampf schlagen kann, so bin ich es, der versagt hat und unsere Stadt gefährdet. Darum setzte ich jedes Mal mein Leben aufs Spiel.” Als ob ihn irgendjemand im Kampf schlagen könnte. Er wusste, dass er unbesiegbar war, aber das Volk hörte es nur zu gern. Nach einer kurzen Pause rief er lauter: “Versteht ihr mich?” _Ich will Ich will eure Phantasie_ Die Menge begann zu kreischen und zu toben. Das war es, was er hören wollte. Lässig aus dem Handgelenk ließ er die Äxte drehen und ging auf den alten Mann zu. Dieser zitterte nun und hob den Schild langsam. Draven sagte zu ihm, ohne dass die Menge es hören konnte: “Du willst schnell und ohne Schmerzen sterben. Gut, dann spiel’ mit und ich erweise dir am Ende diese Gnade.” Einen alten Mann zu schlachten bereitete ihm kein Vergnügen, aber er wollte eine gute Show abliefern. Er hätte seinen Gegner mit einem Schlag töten können, aber das war langweilig und erfreute das Publikum nicht. Er wollte, dass die Menschen sich den Tod ausmalten, bevor er ihnen zeigte, wie es ging. _Ich will Ich will eure Energie_ Er ließ die Äxte ein paar mal durch die Luft wirbeln und fing sie jedes Mal wieder elegant auf. Der Alte wich vor ihm zurück. Es schien so, als würden seine Beine ihn nicht mehr lange tragen. Blitzschnell warf Draven eine Axt nach ihm und zielte dabei direkt auf den Schild. Er konnte förmlich spüren, wie die Menge den Atem anhielt, als die scharfe Klinge den Schild spaltete. Vor Schreck ließ der Mann ihn fallen und rannte davon. Als hätte er alle Zeit der Welt, hob Draven seine Axt auf. In der Arena war es totenstill. “Gebt mir ein ‘Draven’!”, forderte er das Volk auf und dieses schrie wie aus einer Kehle: “Draven!” Zufrieden atmete er durch. _Ich will Ich will eure Hände sehen_ Eine weitere Axt flog nach dem zum Tode Verurteilten. Er wimmerte, als die Waffe sein Bein streifte. Das Publikum begann zu jubeln, riss die Hände in die Luft und stimmte einen Sprechgesang an: “Draven, Draven, Draven.” Dieser schloss für einen Moment die Augen und ließ die Rufe seinen ganzen Körper durchdringen. Seine Muskeln spannten sich an und er spürte reine Energie durch seinen Körper pulsieren. Er spürte, dass die Spannung in der Arena nun beinahe ihren Höhepunkt erreicht hatte und dass es Zeit war seine Aufgabe zu Ende zu bringen. _Ich will in Beifall untergehen_ Also richtete Draven seinen Blick auf den verzweifelten Mann vor ihm. Er sah, wie dieser schneller zu atmen begann, als ob sein Herz beschlossen hätte, in den wenigen verbleibenden Sekunden noch die Herzschläge eines ganzen Lebens aufzubrauchen. Draven nickte ihm zu und der Ältere nickte zurück. Dann holte Draven aus. Es wurde totenstill, während die Axt durch die Luft flog und der Verurteilte die Augen schloss. Ein scharfes Sirren, ein dumpfer Aufprall, als der abgetrennte Kopf zu Boden fiel, dann begann die Menge zu toben. Sie standen auf und klatschten wild in die Hände. Draven ließ sich von seinem Hochgefühl überrollen und riss die Arme in die Luft. Das Gefühl war für einen Moment berauschend, doch dann spürte er erneut den Blick seines Bruders im Nacken. Er hasste es auf diese Weise beobachtet zu werden. Darius gab ihm dann immer das Gefühl, nichts richtig machen zu können. _Seht ihr mich? Versteht ihr mich?_ Währenddessen stand Darius im obersten Rang der Loge und blickte auf seinen kleinen Bruder hinab. Er wusste, was in Draven vorging, auch wenn sie nie darüber sprachen. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Im Grunde wollte Draven nur Beachtung, wollte der Stärkste, Größte und Mächtigste von allen sein. Darius erinnerte sich daran, wie er ihm damals beigebracht hatte mit der Wurfaxt umzugehen. Kaum hatte Draven ein wenig Gefühl dafür entwickelt gehabt, ging es in einer Tour: “Schau mal, schau mal. Ich kann sie fangen. Darius, sieh’ doch mal.” Nun war sein Bruder ein Mann und trotzdem glaubte Darius manchmal immer noch den kleinen Jungen vor sich zu sehen, der keine Familie mehr hatte außer seinem großen Bruder, der aber so sehr damit beschäftigt war, ihn und sich selbst über die Runden zu bringen, dass der Kleinere im Prinzip ab diesem Zeitpunkt keine Kindheit mehr hatte. _Fühlt ihr mich? Hört ihr mich?_ Und das hatte schließlich dazu geführt, dass er der egoistischste Mensch in ganz Valoran geworden war. Darius schüttelte den Kopf, um diese bedrückenden Gedanken zu vertreiben, gerade als Draven die Menge erneut zum Beifall aufforderte, in dem er ein Siegerpose mit einem Fuß auf der Leiche einnahm. Er wollte eindeutig die Zurufe des Publikums aufrecht erhalten. Plötzlich kam Darius ein beunruhigender Gedanke: Ob sein kleiner Bruder wohl einsam war? Er hatte sich so damit beschäftigt ihn zu beschützen, dass er sich nun nicht mehr sicher war, wie es Draven so erging. Aber da er selbst kein Mann großer Worte war, wusste er auch nicht, wie er dies herausfinden sollte. Also widmete er seine Aufmerksamkeit wieder der Show in der Arena. _Könnt ihr mich hören? (Wir hören dich)_ Draven hatte nun scheinbar seinen Triumph zur Genüge ausgekostet und sprach nun mit lauter Stimme. “Ich weiß eure Begeisterung zu schätzen. Hört ihr mich?” Darius hätte beinahe gelacht. Es war immer wieder amüsant mit anzusehen, welche Macht Draven über das Volk hatte. Er log ihnen mitten ins Gesicht und sie glaubten ihm jedes Wort. “Danke.”, “Wir sind Noxus.” und “Draven.” war nun aus der Menge zu hören. _Könnt ihr mich sehen? (Wir sehen dich)_ “Ich möchte euch heute etwas Neues präsentieren.”, rief Draven nun noch lauter und Darius horchte auf. Etwas Neues war nicht abgesprochen wurden. Man ließ Draven zwar ziemlich viel Freiraum beim Gestalten seiner Vorstellung, aber dennoch musste er vorher einen groben Ablauf angeben, damit sich die Wachen und Diener darauf einstellen konnten. “Es muss euch ziemlich langweilen, mich gegen schwache Gegner kämpfen zu sehen, darum fordere ich jetzt den Mann zum Duell, der mir wohl am wenigstens unterlegen sein sollte. Wollt ihr einen Kampf zwischen mir und meinem Bruderherz sehen?” Darius klappte der Mund auf, während die Menge sich beinahe überschlug. Hatte Draven ihn gerade in aller Öffentlichkeit zum Duell gefordert? _Könnt ihr mich fühlen? (Wir fühlen dich)_ Darius starrte Draven nun direkt an und dieser erwiderte seinen Blick mit einem amüsierten Grinsen im Gesicht. Er schien es für einen Spaß zu halten, einen Scherz für die Menge. Aber Darius waren die damit verbundenen Konsequenzen durchaus bewusst. Würde er das Duell ablehnen, so hätte er Schwäche gezeigt und seine Ehre als Krieger von Noxus für immer verloren. Ließ er sich nun, aber auf einen Kampf mit Draven ein, so verletzte er seine Prinzipien sich niemals gegen seinen Bruder zu wenden. Auch wenn Draven es nicht wusste, hatte er sich vor langer Zeit geschworen ihn zu schützen. Wie würde es sich wohl anfühlen dieses Versprechen zu brechen? _Ich versteh euch nicht Ich will_ “Du sagst gar nichts, Bruderherz.”, rief Draven nun hinauf. Darius straffte die Schultern und griff nach seiner Streitaxt. “Ich komme.”, rief er als Antwort zurück und die Menge jubelte ihm zu, als er langsam die Stufen in die Arena hinunter schritt. Er verstand nicht, was in Draven gefahren war. Wieso wollte er nun unbedingt ein Duell? Während er sich seinem Bruder näherte, nahm er sich vor, sich keinesfalls auf irgendeine Provokation einzulassen. Unten angekommen, raunte ihm Draven zu: “Ich habe es satt, dass du mich von dort oben beobachtest, als wartest du nur auf einen Fehler meinerseits. Aber ich mache keine Fehler.” _Wir wollen dass ihr uns vertraut Wir wollen dass ihr uns alles glaubt_ Darius zog seine Waffe und biss die Zähne zusammen. Schließlich flüsterte er mit zusammengepressten Lippen: “Das hier ist ein öffentlicher Ort. Was denkst du dir eigentlich? Wenn die Leute anfangen zu glauben, dass wir uns uneinig sind, dann schadet das unserem ganzen Staat.” Draven verdrehte die Augen. “Und natürlich geht es dir wieder mal nur um dein Ansehen?” Er nahm Kampfhaltung ein und sah seinen großen Bruder herausfordernd an. Darius zögerte kurz. Er wollte das Vertrauen des Publikums in ihre Glaubwürdigkeit nicht zerstören, deshalb musste er wohl oder übel mitspielen. Aber worum ging es hier eigentlich? _Wir wollen eure Hände sehen Wir wollen in Beifall untergehen_ Bevor er sich weiter mit dieser Frage beschäftigen konnte, warf Draven bereits die erste Axt nach ihm. Er hatte es also nicht anders gewollt. Mit einer Geschwindigkeit, die man einem Krieger wie Darius gar nicht zugetraut hätte, riss er die Streitaxt nach oben und blockte damit lässig die geworfene Klinge ab. Er wusste genau, wenn er seinen Bruder aus der Fassung bringen würde, hätte er leichtes Spiel. Draven war fast jedem Gegner meilenweit überlegen, aber nicht seinem Bruder. Er kannte jedes seiner Manöver und auch seine Schwachpunkte. Ob Draven überhaupt bewusst war, dass er so etwas hatte? “Erbärmlich”, schnaubte Darius. Er würde ihn solange provozieren bis er einen Fehler beging und schließlich war es soweit. Draven kam auf ihn zu, nur einen Hauch zu nahe. Darius schöpfte die volle Länge seines Armes und der Axt aus und zog Draven die Beine weg. Dieser strauchelte und schlug dann hart zu Boden. _Könnt ihr mich hören? (Wir hören dich)_ Die Menge brach in tobenden Beifall aus. Darius ging langsam auf seinen Bruder zu. Er bereute es bereits ihn verletzt haben zu können, aber aus Erfahrung wusste er, dass es höchst unklug wäre, Draven zu unterschätzen und sofort zu ihm zu eilen. Also zügelte er seine Besorgnis und drehte seinen Bruder vorsichtig mit dem Fuß auf den Rücken. Gerade noch rechtzeitig bemerkte er, dass Draven bei Bewusstsein und äußerst wütend war und knurrte: “Bleib’ liegen, kleiner Bruder.” Doch Draven dachte gar nicht daran, sich zu ergeben und packte seinen Bruder am Bein. Mit einer fließenden Bewegung der Wurfaxt schlitzte er das Bein seines Bruders zwischen den Rüstungsplatten auf. Darius schrie auf und trat aus Reflex nach Draven. Sein Fuß traf ihn hart an der Schläfe. “Hast du nicht gehört?”, fluchte er und hasste sich in diesem Moment dafür, seinen kleinen Bruder auf diese Weise in die Schranken weisen zu müssen. _Könnt ihr mich sehen? (Wir sehen dich)_ Draven antwortete nicht und Darius schlug alle Vorsicht in den Wind und ging neben seinem Bruder auf die Knie. Den stechenden Schmerz in seinem linken Bein hatte in diesem Moment bereits vergessen. “Draven?”, fragte er unsicher, während er seinen Bruder an der Schulter packte und ihn schüttelte. Die Menge war von einer Sekunde auf die Nächste verstummt, alle Augen waren gebannt auf die beiden Brüder gerichtet. Als Darius keine Antwort erhielt, stieg Panik in ihm auf. Erneut schüttelte er Draven, nun kräftiger. “Kannst du mich hören? Bitte mach’ die Augen auf.” Der alte Beschützerinstinkt flammte in ihm auf. _Könnt ihr mich fühlen? (Wir fühlen dich)_ Draven röchelte und seine Augenlider begannen zu flattern. Schließlich blickte er verwirrt zu seinem großen Bruder auf. “Darius? Was...”, stammelte er. Darius atmete erleichtert auf. “Draven. Was ist nur in dich gefahren?” Draven, der sich mittlerweile wieder daran erinnerte, wo er war, sah beschämt zur Seite. “Ich werde nie deinen Ansprüchen genügen.” Darius sah ihn schockiert an. “Darum geht es dir? Dass ich dich nicht genug beachte?” Beinahe hätte er aufgelacht. “Du bist die einzige Familie, die ich habe.”, antwortete Draven schon wieder halb ohnmächtig. _Ich versteh euch nicht_ Vorsichtig strich er seinem kleinen Bruder durch die Haare, wie er es oft getan hatte, als Draven und er gerade ihre Eltern verloren hatten. Er hatte es noch nie ausgesprochen, aber er liebte seinen Bruder. Draven atmete ruhig und gleichmäßig. Er hatte wohl wieder das Bewusstsein verloren. Was ging nur in seinem Kopf vor sich? Ohne darüber nachzudenken hob Darius ihn mit beiden Armen hoch und trug ihn aus der Arena. Er würde ihn nach hause bringen, wie er es schon sein ganzes Leben lang getan hatte. ____________________________________________________________________ Und wieder ist es vorbei:) Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr schaut das nächste Mal wieder vorbei. Eure Märchentante Wolverine
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